Interventionen im FarbRAUM

Zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Zwei Interventionen im Dialog

Seit einem Jahr zeigen die KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum ihre Bestände im Interim am Domhof. Mit zwei neuen Interventionen wird der FarbRAUM ab dem 9. Mai 2026 nun gezielt erweitert.

Made in DDR. Zwickaus Kunst zwischen 1949 und 1989 richtet den Blick auf das vielschichtige Kunstschaffen in Zwickau während der DDR-Zeit. Ausgehend vom Werk des Künstlers Edgar Klier entfaltet die Intervention ein Panorama zwischen künstlerischem Anspruch und gesellschaftlicher Realität. Im Zentrum steht dabei nicht nur die historische Einordnung, sondern auch die kritische Neubewertung dieser Kunst – insbesondere im Hinblick auf bislang wenig beachtete Perspektiven von Künstlerinnen.

Farewell: Henrike Naumann (1984–2026) versteht sich als Hommage an eine Künstlerin, die Brücken schlug – zwischen Generationen, zwischen politischen Systemen und zwischen individueller Biografie und gesellschaftlicher Geschichte.

Im Zusammenspiel entsteht ein Dialog, in dem die Kunst der DDR auf eine zeitgenössische Position trifft, die dieses Erbe befragt und weiterführt.

Der FarbRAUM wird so zu einem Ort, an dem Kontinuitäten und Brüche sichtbar werden – und an dem sich die Frage stellt, wie Kunst Geschichte nicht nur abbildet, sondern immer wieder neu befragt.

Made in DDR. Zwickau Kunst zwischen 1949 und 1989

Ausgangspunkt der Intervention ist der 100. Geburtstag des Keramikmalers und Künstlers Edgar Klier (1926–2015). Seine Werke bilden den zentralen Anker einer Präsentation, die die Entwicklung der bildenden Kunst in Zwickau zwischen 1949 und 1989 pointiert in den Blick nimmt.

Neben Klier sind Arbeiten von Zwickauer Künstlern zu sehen, die den Alltag zwischen Arbeit, Gesellschaft und künstlerischem Ausdruck verdichten. Das Kunstschaffen dieser Zeit ist untrennbar mit der 1947 gegründeten Zwickauer Mal- und Zeichenschule verbunden, die zahlreiche Künstlerpersönlichkeiten hervorbrachte und weit über die Wende hinaus wirkte.

Ein besonderer Fokus gilt den Künstlerinnen und ihren Bildwelten. Die Intervention fragt nach Rollenbildern und Sichtbarkeit: Frauen erscheinen als Künstlerinnen, als Mütter, als Teil sozialer Gefüge – und zugleich häufig am Rand der Wahrnehmung.

So zeigt Kliers Gemälde Schichtwechsel (1956) eine Szene klarer Gewichtung: Zwei Männer dominieren das Zentrum, während eine Frau mit Kind an den Rand gerückt ist. Arbeit wird sichtbar, Fürsorge bleibt beiläufig – ein prägnantes Bild gesellschaftlicher Ordnung. Auch Malzirkel im Werk (1972) von Elisabeth Decker legt stille Spannungen offen: Während zwei Männer die Arbeit einer Frau begutachten, bleibt diese selbst zurückgenommen – ein feinsinniger Kommentar zur weiblichen Perspektive im Arbeitsalltag der DDR.

Zentrales Anliegen der Intervention ist es, die museumseigene Sammlung zu Kunst der DDR zu befragen. Erst in jüngerer Zeit wird das ostdeutsche Kunstschaffen in seiner ganzen Breite wieder wahrgenommen und gewürdigt – bislang jedoch vor allem in Bezug auf männliche Positionen. Künstlerinnen hingegen sind bis heute in Sammlungen und Ausstellungen deutlich unterrepräsentiert.

Hier setzt die Präsentation bewusst an und verweist zugleich auf zentrale Leitlinien des künftigen Museums: die differenzierte Betrachtung der Kunst in der DDR sowie die konsequente Sichtbarmachung weiblicher Perspektiven.

Ein Ausblick führt in den Herbst 2026: Eine öffentliche Veranstaltung mit Expertinnen und Experten widmet sich der Frage, wie Kliers 12 Meter langes Wandmosaik „Lebensbaum“ aus dem Speisesaal des ehemaligen VEB Aktivist heute kunsthistorisch einzuordnen ist – und welche Zukunft dieses Werk haben kann.

Farewell: Henrike Naumann (1984–2026)

Die zweite Intervention entsteht aus einem tiefgreifenden Einschnitt: Anfang 2026 verstarb die international renommierte Künstlerin Henrike Naumann im Alter von nur 41 Jahren. Zeitgleich mit der Eröffnung des Deutschen Pavillons der Biennale in Venedig, an dessen Gestaltung sie maßgeblich beteiligt war, würdigt die Präsentation ihr außergewöhnliches Werk.

1984 in Zwickau geboren, blieb Naumann ihrer Heimatstadt und den Kunstsammlungen eng verbunden. Nach ihrem Studium in Dresden und Babelsberg entwickelte sie eine eigenständige künstlerische Sprache, in der sie Geschichte, Erinnerung und Gegenwart miteinander verschränkte.

Bereits ihre Diplomarbeit Triangular Stories (2012) setzte sich mit dem NSU-Komplex auseinander und markierte zugleich den Beginn ihrer Beziehung zu den Kunstsammlungen. Es folgten Arbeiten wie Jugendzimmer (2015), in denen sie Materialien aus der Zwickauer Frühlingsstraße 26 – einem zentralen Ort der NSU-Verbrechen – integrierte.

In ihren späteren Installationen kombinierte Naumann Möbelensembles mit Bezügen zur DDR und setzte sie in Dialog mit den Werken ihres Großvaters, des Malers Karl-Heinz Jakob. Arbeiten wie DDR Noir (Der Cellist) (2024) verdeutlichen diese dichte Verbindung von persönlicher Geschichte und kollektiver Erinnerung.

Naumanns Werk ist zugleich Gesellschaftsanalyse und familiäre Spurensuche. Wie kaum eine andere Künstlerin verband sie eine präzise Gegenwartsdiagnose mit einem tiefen Verständnis für die Nachwirkungen der DDR.

Die Intervention versteht sich als Hommage an eine Künstlerin, die Brücken schlug – zwischen Generationen, zwischen politischen Systemen und zwischen individueller Biografie und gesellschaftlicher Geschichte.

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