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Unbekannter Meister, Bornkinnl

um 1500, Nussbaumholz (?), Fassung (Tempera) auf Kreidegrund, 71 x 28,5 x 27 cm
Inv.-Nr. V/82/3/K3, aus der Götzenkammer der Zwickauer Marienkirche (Dom St. Marien)

Das pausbäckige Kindchen mit hellem Inkarnat, geröteten Wangen, roten Lippen, blauer Iris, schwarzen Pupillen und braunen Wimpern steht mit nackten Füßen auf einer Konsole mit angedeutetem steinigen Untergrund. Das Schrittmotiv der Kleinkind-Figur, die zum Betrachter hin geöffneten Arme mit dem Segensgestus und der emporgereckte Kopf mit dem lächelnden Gesicht verleihen dem Bornkinnl lebensecht wirkende Präsenz.
Der kleine Jesusknabe als Einzelfigur – dargestellt als stehendes, etwa einjähriges nacktes Kind in Lebensgröße – kommt seit dem Anfang des 14. Jahrhunderts vor. Oft ist die rechte Hand zum Segensgestus erhoben, in der linken trägt das Christkind manchmal die Weltkugel oder einen Apfel als Symbol für seine erlösende Weltherrschaft. Besondere Bedeutung erlangt die Darstellung des Jesuskindes bei der volkstümlichen Feier der Weihnacht, wo es als sogenanntes Bornkinnl auf den Altar gestellt wurde – in der Zwickauer Marienkirche wurde dieser Brauch 1993 wieder aufgenommen! Diese „Bornkinnl“ oder „Jesulein“, die im Erzgebirge besonders häufig vorkommen, waren zum Bekleiden vorgesehen. Die Gewänder haben sich allerdings selten original erhalten. Die Verehrung des Christkindes setzte sich auch nach der Reformation im 17. und 18. Jahrhundert unvermindert fort. Verbreitet waren z. B. auch sehr volkstümliche Werke aus Wachs. Erst mit der Aufklärung – für Zwickau ist das Jahr 1781 überliefert – wurde der Brauch, Jesusfiguren in der Weihnachtszeit auf den Altar zu stellen, großenteils eingestellt.