Irène Mélix

Auch die multimediale künstlerische Arbeit von Irène Mélix beruht auf Rechercheprozessen. Als Material nutzt sie immer wieder „Unbekanntes“ aus Archiven, bringt somit ungehörte Geschichten ans Licht und verknüpft diese mit unserer Gegenwart. Für ihre Präsentation in Zwickau entwickelt sie eine Arbeit weiter, die 2019 auf der Biennale in Lyon auf dem Gelände der bereits sechs Jahre zuvor insolventen Fagor Brandt Werke entstand. Die Firma produzierte Waschmaschinen, Geräte, die die Hausarbeit und damit eine nie enden wollende Arbeit von Frauen veränderten. Diese konnten zunehmend einer Erwerbsarbeit nachgehen, die für die Emanzipation der Frau eine wesentliche Grundlage bildete - allerdings nur in einem saturierten Teil der Welt. Nach wie vor ist die Waschmaschine global gesehen noch immer ein technisches und materielles Privileg. Für Lyon entstand die ARIA FERMATA - ein von Irène Mélix intoniertes Musikstück, das Rosa Klee auf Basis von Geräuschproben verschiedener Waschmaschinen für sie komponierte. In Lyon stieß Mélix auch auf die Geschichte der Streiks der Seidenweberinnen im 19. Jahrhundert und fand für ihren Beitrag in den Kunstsammlungen Bezüge zum Crimmitschauer Streik, der 1903-04 in den unweit Zwickaus gelegenen Textilbetrieben zu den größten Streiks im damaligen Königreich Sachsen führte. Gekämpft wurde um bessere Bezahlung und um den 10-Stunden Arbeitstag, letztlich um eine Stunde mehr für die Familie. Den „Gesang der Waschmaschine“ verknüpft die Künstlerin in Zwickau mit Bildmaterial aus sächsischen Archiven und nutzt die symbolträchtige Fahne als Bildträger.

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