Farewell Henrike Naumann - Interventionen im ZwischenRaum

veröffentlicht am: 06.05.2026

Das Kulturamt informiert:

Interventionen zur Kunst der DDR und zu Henrike Naumann im ZwischenRaum der KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU

Es sollte ein Höhepunkt ihrer Künstlerkarriere werden, dessen Eröffnung sie nicht mehr erleben durfte: Die Biennale in Venedig, zu der die im Februar verstorbene Henrike Naumann den deutschen Beitrag beisteuert. Pünktlich mit der Eröffnung der Biennale am 9. Mai widmen die KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum in ihrem Interimsquartier, dem ZwischenRaum, der in Zwickau geborenen Künstlerin eine kleine Hommage.

Diese Intervention trifft auf „Made in DDR. Zwickaus Kunst zwischen 1949 und 1989“. Hier wird der Blick auf das vielschichtige Kunstschaffen in Zwickau während der DDR-Zeit gerichtet. Ausgehend vom Werk des Künstlers Edgar Klier entfaltet die Ausstellung mehrerer Arbeiten ein Panorama zwischen künstlerischem Anspruch und gesellschaftlicher Realität. Im Zentrum steht dabei nicht nur die historische Einordnung, sondern auch die kritische Neubewertung dieser Kunst – insbesondere im Hinblick auf bislang wenig beachtete Perspektiven von Künstlerinnen.

Im Zusammenspiel der beiden Interventionen entsteht ein Dialog, in dem die Kunst der DDR auf eine zeitgenössische Position trifft, die dieses Erbe befragt und weiterführt. Der FarbRAUM wird so zu einem Ort erweitert, an dem Kontinuitäten und Brüche sichtbar werden – und an dem sich die Frage stellt, wie Kunst Geschichte nicht nur abbildet, sondern immer wieder neu befragt.

Farewell: Henrike Naumann (1984–2026)

1984 in Zwickau geboren, blieb Henrike Naumann ihrer Heimatstadt und den Kunstsammlungen eng verbunden. Nach ihrem Studium in Dresden und Babelsberg entwickelte sie eine eigenständige künstlerische Sprache, in der sie Geschichte, Erinnerung und Gegenwart miteinander verschränkte. Bereits ihre Diplomarbeit Triangular Stories (2012) setzte sich mit dem NSU-Komplex auseinander und markierte zugleich den Beginn ihrer Beziehung zu den Kunstsammlungen. Es folgten Arbeiten wie Jugendzimmer (2015), in denen sie Materialien aus der Zwickauer Frühlingsstraße 26 – einem zentralen Ort der NSU-Verbrechen – integrierte. 2019 wurde sie mit dem Max-Pechstein-Förderpreis der Stadt Zwickau ausgezeichnet.

In ihren späteren Installationen kombinierte Naumann Möbelensembles mit Bezügen zur DDR und setzte sie in Dialog mit den Werken ihres Großvaters, des Malers Karl-Heinz Jakob. Arbeiten wie DDR Noir (Der Cellist) (2024) verdeutlichen diese dichte Verbindung von persönlicher Geschichte und kollektiver Erinnerung. Naumanns Werk ist zugleich Gesellschaftsanalyse und familiäre Spurensuche. Wie kaum eine andere Künstlerin verband sie eine präzise Gegenwartsdiagnose mit einem tiefen Verständnis für die Nachwirkungen der DDR.

Die Intervention versteht sich als Hommage an eine Künstlerin, die Brücken schlug – zwischen Generationen, zwischen politischen Systemen und zwischen individueller Biografie und gesellschaftlicher Geschichte. Zu sehen ist insbesondere ein Film von Henrike Naumann, in dem sie über Ihre Arbeit spricht. Davor liegt ein Gedankenbuch: Besucher sind herzlich eingeladen, ihre Gedanken und Assoziationen zu der Künstlerin und ihrem Werk festzuhalten.

Made in DDR. Zwickaus Kunst zwischen 1949 und 1989

Ausgangspunkt dieser kleinen Intervention ist der 100. Geburtstag des Keramikmalers und Künstlers Edgar Klier (1926–2015). Seine Werke bilden den zentralen Anker einer Präsentation, die die Entwicklung der bildenden Kunst in Zwickau zwischen 1949 und 1989 pointiert in den Blick nimmt. Neben Klier sind einige Arbeiten von Zwickauer Künstlern zu sehen, die den Alltag zwischen Arbeit, Gesellschaft und künstlerischem Ausdruck verdichten. Das Kunstschaffen dieser Zeit ist untrennbar mit der 1947 gegründeten Zwickauer Mal- und Zeichenschule verbunden, die zahlreiche Künstlerpersönlichkeiten hervorbrachte und Wirkung über die Wende hinaus entfaltete.

Ein besonderer Fokus gilt den Künstlerinnen und ihren Bildwelten. Die Intervention fragt nach Rollenbildern und Sichtbarkeit: Frauen erscheinen als Künstlerinnen, als Mütter, als Teil sozialer Gefüge – und zugleich häufig am Rand der Wahrnehmung. So zeigt Kliers Gemälde Schichtwechsel (1956) eine Szene klarer Gewichtung: Zwei Männer dominieren das Zentrum, während eine Frau mit Kind an den Rand gerückt ist. Arbeit wird sichtbar, Fürsorge bleibt beiläufig – ein prägnantes Bild gesellschaftlicher Ordnung. Auch Malzirkel im Werk (1972) von Elisabeth Decker legt stille Spannungen offen: Während zwei Männer die Arbeit einer Frau begutachten, bleibt diese selbst zurückgenommen – ein feinsinniger Kommentar zur weiblichen Perspektive im Arbeitsalltag der DDR.

Zentrales Anliegen ist es, die museumseigene Sammlung zu Kunst der DDR zu befragen und zugleich auf zentrale Leitlinien des künftigen Museums, das derzeit saniert wird, hinzuweisen: die differenzierte Betrachtung der Kunst in der DDR sowie die konsequente Sichtbarmachung weiblicher Perspektiven.

Sie erhielt 2019 den Max-Pechstein-Förderpreis: die im Fberuar verstorbene Henrike Naumann.
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Edgar Klier: Schichtwechsel (1956)
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Die KUNSTSAMMLUNGEN laden in ihren ZwischenRaum, dem Ausweichquartier während der Museumssanierung, zu Interventionen ein.
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