Das Kulturamt der Stadt Zwickau und das Lentos Museum Linz informieren:
Mit der Ausstellung Max Pechstein. Abenteuer Expressionismus wird im Lentos Kunstmuseum Linz ab 23. April ein zentrales Kapitel der klassischen Moderne beleuchtet. Die Präsentation ist Teil einer internationalen Tournee von Werken aus den KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum und bringt zentrale Arbeiten des Künstlers erstmals in diesem Kontext nach Linz. Darüber hinaus macht die Ausstellung eine historische Verbindung zwischen Linz und Zwickau sichtbar: Über die Familie Gurlitt – insbesondere Wolfgang Gurlitt und dessen Cousin Hildebrand Gurlitt – bestehen enge Bezüge zur Sammlungsgeschichte beider Häuser.
Während Hildebrand Gurlitt von 1925 bis 1930 als Direktor des damaligen König-Albert-Museums in Zwickau, dem heutigen Kern der KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum maßgeblich zum Aufbau einer bedeutenden Sammlung moderner Kunst beitrug und früh Werke von Max Pechstein ankaufte, legte sein Cousin Wolfgang Gurlitt in Linz den Grundstein für die Sammlung der Neuen Galerie der Stadt Linz, aus der das heutige Lentos Kunstmuseum Linz hervorging. Als Kunsthändler war Wolfgang Gurlitt zugleich einer der wichtigsten Förderer Max Pechsteins und unterstützte seine Reise in die Südsee. Beide Gurlitts waren zugleich in die komplexen und bis heute kritisch aufzuarbeitenden Verflechtungen des Kunsthandels im Nationalsozialismus eingebunden. Die damit verbundenen Fragen nach Herkunft, Besitz und Verantwortung wirken bis heute nach und wurden nicht zuletzt durch den Nachlass von Cornelius Gurlitt erneut ins öffentliche Bewusstsein gerückt.
Die Präsentation in Linz ist Teil einer internationalen Tournee von über 100 Werken Max Pechsteins aus den KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum. Hintergrund ist die mehrjährige Schließung des Max- Pechstein-Museums aufgrund von Bauarbeiten. Anstatt die Werke ins Depot zu überführen, werden sie seitdem international gezeigt: Den Auftakt bildete die Kunsthal Rotterdam, es folgte das Buchheim Museum in Bernried. Ausgehend von den sich auf Tournee befindenden Werken entwickelte die Kuratorin Brigitte Reutner-Doneus für das Lentos eine zusätzliche inhaltliche Perspektive, die die historische Verbindung zur Sammlung Gurlitt und damit zur Geschichte des Hauses sichtbar macht.
„Die Ausstellung macht sichtbar, wie eng die Geschichte der Moderne mit Netzwerken von Künstlern, Sammlern und Kunsthändlern verbunden ist – und wie diese bis heute unsere Institutionen prägen“, betont Hemma Schmutz, Direktorin des Lentos Kunstmuseum Linz. Kuratorin Brigitte Reutner-Doneus ergänzt: „Mit Max Pechstein und Wolfgang Gurlitt erzählen wir eine Geschichte des Expressionismus, die von künstlerischem Mut ebenso geprägt ist wie von Abhängigkeiten, Konflikten und Brüchen – auch im Kontext des Kunsthandels im Nationalsozialismus.“
Auch seitens der Kunstsammlungen Zwickau wird die Zusammenarbeit als bedeutendes Signal verstanden: „Die internationale Tournee unserer Pechstein-Bestände eröffnet neue Perspektiven auf einen Künstler, der Zwickau bis heute prägt. Die Präsentation in Linz knüpft dabei an historische Beziehungen an und führt sie in die Gegenwart weiter“, so Fanny Stoye, Leiterin der Kunstsammlungen Zwickau - Max Pechstein Museums.
Max Pechstein, geboren in Zwickau, war ein zentrales Mitglied der Künstlergruppe Brücke und prägte mit seiner expressiven Bildsprache die Kunst des frühen 20. Jahrhunderts entscheidend mit. Als erster Expressionist wurde er in die Preußische Akademie der Künste aufgenommen. Die Retrospektive im Lentos Kunstmuseum Linz vereint Schlüsselwerke aus verschiedenen Schaffensphasen, verfolgt deren Entwicklung über mehrere Jahrzehnte hinweg und beleuchtet auch die Auswirkungen historischer Umbrüche – von der Diffamierung der Moderne im Nationalsozialismus bis zu den Verlusten des Zweiten Weltkriegs.
Die Ausstellung Max Pechstein. Abenteuer Expressionismus ist von 23. April bis 30. August 2026 im Lentos Kunstmuseum Linz zu sehen.